Probewohnen in Görlitz

Eine Woche mietfrei Wohnen und Leben unter frisch verputzten Stuckdecken!? Die sächsische Stadt Görlitz lädt ihre Bewohner dazu ein sich selbst von den Vorzügen des innerstädtischen Wohnens überzeugen zu lassen. Ziel ist es, die Akzeptanz und Wertschätzung für die derzeit wenig nachgefragten Gründerzeitquartiere zu [...]

Modellvorhaben »Probewohnen« in Görlitz

Eine Woche mietfrei Wohnen und Leben unter frisch verputzten Stuckdecken!? Die sächsische Stadt Görlitz lädt ihre Bewohner dazu ein sich selbst von den Vorzügen des innerstädtischen Wohnens überzeugen zu lassen. Ziel ist es, die Akzeptanz und Wertschätzung für die derzeit wenig nachgefragten Gründerzeitquartiere zu erhöhen.

Trotz eines vorbildlich sanierten Gebäudebestandes und annährend gleicher Mietpreise im Vergleich zu den städtischen Randgebieten und den Neubauwohnungen der Plattenbausiedlungen, hat die Stadt Görlitz mit ihren 56.700 Einwohner noch heute einen hohen innerstädtischen Wohnungsleerstand (5.000 WE) vorzuweisen. Die Ursachen hierfür sehen Stadtforscher zum einen in dem einhergehenden Bevölkerungsschwund, aber auch im Image der gründerzeitlichen Wohnbebauung begründet. Während der DDR-Zeit waren die Wohnungen im Gründerzeitviertel oftmals nicht bewohnt und zudem schlecht ausgestattet.

Um den weiteren wirtschaftlichen und urbanen Verfall der Görlitzer Gründerzeitbebauung zu stoppen, startete das »Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau« der Technischen Universität Dresden ein bundesweit einzigartiges Modellvorhaben: Interessierten wird dabei die Möglichkeit eines einwöchigen »Probewohnens« gegeben um praktische Wohnerfahrungen zu sammeln und eventuelle Vorbehalte gegenüber diesem Wohnungbestand abzubauen. Die Akzeptanz und die Wertschätzung für die Innenstadtquartiere soll dadurch erhöht werden und mittelfristig zu einer größeren Nachfrage des Wohnungsbestands beitragen.

Darüber hinaus werden die Teilnehmer als »Wohnexperten« bezüglich der Wohnqualität der Altbauwohnungen und des Wohnumfeldes in die Stadtentwicklungspraxis einbezogen. Zur Umsetzung des Projekts stellt die Wohnungsbaugesellschaft Görlitz aus ihren Beständen Gründerzeitwohnungen mit unterschiedlichen Standards zum »Probewohnen« zur Verfügung. Für die Grundausstattung der Wohnungen konnte ein schwedisches Möbelhaus gewonnen werden.

Finanziert wird das Modellvorhaben durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), durch Eigenmittel der TU Dresden und durch zusätzliche Sponsorengelder. Die Kommune fördert das Projekt personell jedoch ohne direkte finanzielle Beteiligung.

Die hohen Bewerberzahlen aus der 1. und der 2. Probewohnphase zeigen, dass diese unkonventionelle Idee bei den Bürgern durchaus ankommt und die dahinterstehende Thematik eine neue Aufmerksamkeit genießt. Jedoch wird erst die Zukunft zeigen, ob die Leerstandsquote sinkt und so ein längerfristiger Gewinn für das Quartier und somit für die Gesamtstadt generiert wird. Ungeachtet der speziellen Problematik in Görlitz, von der so mancher Bewohner westdeutscher Großstädte nur träumen kann, wäre das Modell des »Probewohnens« auch in anderen städtebaulichen Kontexten, die mit ähnlicher Leerstandsproblematik zu kämpfen haben, denkbar.

Ein Dank für diesen Hinweis geht an die Projektleiterin Dipl.-Ing. Dipl.-Biol. Anne Pfeil. Beteiligen auch Sie sich an unserer Arbeit!

Quellen:

BMVBS – Nationale Stadtentwicklungspolitik (2008):
Probewohnen – Zurück in die Gründerstadt
www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de (Zugriff: 01.03.2009)

BMVBS – Nationale Stadentwicklungspolitik (2008):
Probewohnen – Zurück in die Gründerstadt – Blick ins Projekt, Projektvideo
www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de (Zugriff: 01.03.2009)

TU Dresden – Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau (2008):
Probewohnen – Modellvorhaben der Nationalen Stadtentwicklungspolitik
www.stadtforschung.com/content/goerlitzwohnen.html (Zugriff: 01.03.2009)

TU Dresden – Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau (2008):
Schau doch mal rein! – Probewohnen, Projektflyer
»Download (360 KB PDF) (Zugriff: 01.03.2009)

(Bildnachweis: TU Dresden – Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau)

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