Kreiselsponsoring

Einzelpersonen oder Unternehmen können die Neugestaltung eines der Kreisverkehre im Kölner Stadtgebiet sponsern und gleichzeitig mit Plakaten auf ihr Unternehmen oder Anliegen aufmerksam machen. Eine weitere Episode im »sellout« des öffentlichen Raums oder eine sinnvolle und stadtbildfördernde Sponsoringaktion?

Einzelpersonen oder Unternehmen können die Neugestaltung eines der Kreisverkehre im Kölner Stadtgebiet sponsern und gleichzeitig mit Plakaten auf ihr Unternehmen oder Anliegen aufmerksam machen. Eine weitere Episode im »sellout« des öffentlichen Raums oder eine sinnvolle und stadtbildfördernde Sponsoringaktion?

Verkehrsknotenpunkte sind prägende Elemente des Erscheinungsbilds einer Stadt. Ob im Zentrum oder als Stadtentree; fordern sie doch die besondere Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer und fungieren ebenso als Orientierungs- und zuweilen auch als Identifikationspunkte im städtischen Raum. Dies gilt auch – und insbesondere – für den Kreisverkehr, der sich seit Beginn der 90er Jahre in Deutschland auch für stärker frequentierte Kreuzungssituationen als straßenbaulicher Knotenpunkttypus durchgesetzt hat.

»An diesen sensiblen Punkten prägt sich oftmals der erste Eindruck von Köln nach Überschreiten der Stadtgrenze« heißt es in einem gemeinsamen Antrag zweier Kölner Stadtratsfraktionen aus dem Jahr 2004. In Kenntnis dessen hat man offensichtlich Handlungsbedarf bei der Verkehrsknotengestaltung gesehen und entwickelte verwaltungsintern, in Zusammenarbeit zwischen dem Grünflächen- und Straßenbauamt, angesichts knapper kommunaler Kassen ein Sponsoringprogramm für die städtischen Kreisverkehre: Sponsoren sollen die Neu- und Umgestaltung und die Pflege der Verkehrsanlagen übernehmen.

Neben einer einfachen Ausführung mit Rasenfläche können die Sponsoren »ihren« Kreisel mit individueller Bepflanzung und »Objekte(n) mit orts- oder geschichtsbezogenem Hintergrund« gestalten, oder gar mit »Lichtobjekte(n)« in neuem Lichte erscheinen lassen. Je nach gestalterischer Ausprägung kostet dies, laut Internetpräsenz der Stadt, für einen 150 Quadratmeter großen Kreisels zwischen 9.000 und 12.000 Euro. Der jährliche Pflegeaufwand für einen Kreisverkehr wird mit 5,- bis 12,50 Euro pro Quadratmeter angegeben. Im Gegenzug dürfen die Sponsoren pro Kreisverkehr vier Schilder in DIN A2 zu Werbezwecken oder als Wegweiser zu ihrem Unternehmen aufstellen. Dies sowie die Gestaltungs- und Pflegeleistungen werden in einer Sponsoringvereinbarung festgelegt, die auch erforderliche Detailplanungen sowie eine Rückbauverpflichtung von Aufbauten seitens des Sponsors beinhaltet.

Ist mit vier DIN A2 Schilder auf der Mittelinsel eines Kreisverkehr bereits ein gewisser Grenzwert einer Kommerzialisierung des öffentlichen Raums erreicht oder kann dies angesichts von rießigen Werbetransparenten andernorts und des Mehrwerts für das Stadtbild in Kauf genommen werden? Der Entscheidungskonflikt der öffentlichen Hand, dass »zum einen die öffentliche Nutzung der öffentlichen Räume und die Stadtidentität insgesamt zu stärken und vor übermächtiger privater Nutzung zu schützen« (Lehmann 2007:259) ist, und andererseits eine gewisse ungeschriebene Verpflichtung besteht »von dem Geld, dass sich mit Werbung im öffentlichen Raum verdienen lässt, einen Teil in die öffentlichen Kassen zu lenken« (ebd.), wurde in Köln mit dem Argument gelöst, dass insbesondere charakteristische Kreisverkehre zu einer Stadt(teil)identität beitragen können.

Das Projekt läuft seit 2005. Für sieben der 24 bestehenden und fünf geplanten Kreisverkehre die sich im Stadtgebiet befinden konnten bereits Sponsoren gewonnen werden. Insbesondere für Gärtnereien – fünf Kreisverkehre werden von einem einzelnen Gartenbaubetrieb gesponsert – scheint dieses Angebot interessant zu sein, da die damit verbundenen Gestaltungs- und Pflegeleistungen in Eigenregie umgesetzt werden können. Kritik bleibt dennoch nicht aus: auf der stadteigenen Internetseite »Bürgerhaushalt«, auf der Bürger eigene Vorschläge zur Diskussion stellen können, werden zu hohe Anforderungen an interessierte Sponsoren kritisiert, die mutmaßlich darauf abzielen Selbige abzuschrecken und damit eine Infragestellung des städtischen Personalbestands zu verhindern. Unser Interviewpartner bei der Stadt Köln quittierte dies mit einem Lächeln.

null_euro_urbanismus_koln.jpg null_euro_urbanismus_koln_2.jpg null_euro_urbanismus_koln_3.jpg

Interview 

mit Manfred Grieser

Herr Grieser, was ist Ziel der Aktion Kreiselsponsoring? Konkrete Einsparungen bei den Pflegekosten für die Kreisverkehre oder wird die Aktion eher als »on top« Maßnahme verstanden?
Die Aktion »Gestaltung von Kreisverkehren« wurde konkret mit der Zielsetzung entwickelt Pflegekosten bei der Bewirtschaftung der Kreisverkehre einzusparen. Insbesondere an stadträumlich exponierten Standorten erfordern die Kreisverkehre einen erhöhten Pflegeaufwand der ohne eine gewisse Vernachlässigung anderer Bereiche des öffentlichen Grüns von kommunaler Seite nicht mehr zu stemmen ist. Eine ansprechende Gestaltung der Kreisverkehre wird auch von der ansässigen Bevölkerung oft eingefordert. Zudem hat hiermit jeder Bürger / Interessent die Möglichkeit sich selbst einzubringen. 
Auch sind im Rahmen des Sponsorings sehr aufwändige,kosten- sowie pflegeintensive, Ausbauvarianten möglich.

Welchen Beitrag leistet das Kreiselsponsoring ihres Erachtens für das Stadtbild der Stadt Köln?
Ich denke die umgesetzten Beispiele haben alle zu einer Attraktivitätssteigerung des jeweiligen Umfelds beigetragen. Insbesondere in den teilweise dörflich geprägten, vorgelagerten Stadtteilen Kölns können sie, wie mehrere gelungene Beispiele beweisen, zu einer attraktiven Eingangssituation beitragen. In einem anderen Fall wurde in einem Neubaugebiet seitens des zuständigen Bauträgers und Vermarkters ebenfalls zwei Kreisverkehre gesponsert. Ich denke, dass man durch diese Maßnahme nicht nur die Immobilien bewerben sondern auch einen Beitrag zur Adressbildung leisten kann.

Was ist Ihrer Erfahrung nach die Hauptmotivation der Sponsoren?
Die Sponsoren verfolgen in erster Linie das Interesse an werbewirksamer bzw. wirtschaftlich interessanter Stelle für sich zu werben. Dementsprechend wird auch die Gestaltung entwickelt und der Standort ausgewählt.
Kreisverkehre in Stadtteilen mit besser situierter Bevölkerung sind folglich bei den Sponsoren beliebter.

Manfred Grieser ist beim Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln für die Betreuung und bautechnische Beratung der Sponsoren des Programms »Gestaltung von Kreisverkehren« verantwortlich.

Quellen:

Stadt Köln, Servicebereich Landschaft + Grün
www.stadt-koeln.de/bol/gruen/mitgestalten/artikel/07663/index.html

LEHMANN, Franziska (2007): Großformatige Werbung in der Stadt – Zum Umgang mit einer sich ausbreitenden Form von Kommerzialisierung öffentlicher Räume In: Raumplanung, Jg.2007, H.135, S. 259

Mündliche Angaben
Manfred Grieser: Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, Stadt Köln

NSP

NSP

ATTITUDE