Beweidungsprojekt Adlershof

Ein weiteres Beispiel für ein kostensparendes Pflegekonzept im urbanem Raum findet im Natur- und Landschaftspark »Ehemaliges Flugfeld Johannisthal« seine Anwendung. Der 65 Hektar große Landschaftspark ist Bestandteil des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Adlershof, kurz »WISTA«. Dieses Stadtentwicklungsprojekt wird im Berliner Ortsteil Adlershof im Bezirk Treptow-Köpenick seit 1992 auf 420 Hektar realisiert.

null_euro_urbanismus_adlershof_ansicht.jpgQuelle: http://www.foerderverein-landschaftspark.de/html/archiv.html

Ein weiteres Beispiel für ein kostensparendes Pflegekonzept im urbanem Raum findet im Natur- und Landschaftspark »Ehemaliges Flugfeld Johannisthal« seine Anwendung.

Der 65 Hektar große Landschaftspark ist Bestandteil des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Adlershof. Das Stadtentwicklungsprojekt wird im Berliner Ortsteil Adlershof im Bezirk Treptow-Köpenick seit 1992 auf 420 Hektar realisiert. Als eigenständiges Projekt der Expo 2000 wurde der Standort unter der Projektbezeichnung Berlin »Adlershof – Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien (WISTA)« großteils fertig gestellt.

Der inmitten der Wissenschaftsstadt gelegene Freiraum ist als dreigliedriger Park konzipiert. Die Kernzone mit einer Fläche von 26,4 ha wurde 2003 zu einem Naturschutzgebiet (NSG) erklärt, das durch einen umlaufenden Promenadenweg erlebbar ist. Es ist vollständig von einem 39,1 ha großen Landschaftsschutzgebiet (LSG), das als öffentliche Parkanlage ausgewiesen ist, umschlossen. Seit Aufgabe der Flughafennutzung Ende der 40er Jahre lag das ehemalige Flugfeld brach und die Natur hatte das Areal zurückerobert. In Folge der spezifischen Nutzung durch den Menschen entwickelten sich jedoch seltene, schützenswerte Biotope die ohne pflegende Eingriffe nicht zu erhalten sind.

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Der Anspruch, den Landschafts- und Biotopcharakter des ehemaligen Flugfeldes zu erhalten, erforderte angesichts beschränkter finanzieller Mittel und einer sich intensivierenden Freizeitnutzung in Folge der voranschreitenden städtebaulichen Entwicklung besondere Konzepte für den Pflege des NSG/LSG.

Eines dieser besonderen Konzepte stellt die Pflege der Flächen des NSG/LSG durch eine Schafherde dar. Die Flächen des NSG/LSG werden dabei in verschiedene Sektionen unterteilt und nach einem festgelegten Rotationsprinzip von Mitte Mai bis Ende August
jeweils für ca. 6 Wochen beweidet. Für die Beweidung wird seitens des beauftragten landwirtschaftlichen Betriebs eine Herde mit 80 bis 120 Mutterschafen der Rasse »Pommersches Landschaf« eingesetzt. Trotz der Tatsache, dass der Tierbestand jedes Jahr vor und nach der Beweidungszeit per LKW in ein Winterquartier in Brandenburg gebracht werden muss, bewährt sich diese Maßnahme seit 1997 auch in ökonomischer Hinsicht. Die jährlich anfallenden Kosten, die den Transport sowie die Koppelhaltung der Herde umfassen, belaufen sich dabei auf circa 22.000 Euro. (vgl. bgmr 2007: XX)

Diese Maßnahme, die im Rahmen des Parkentwurfs der Landschaftsarchitektin Gabriele G. Kiefer und des weiterführenden Fertigstellungs- und Bewirtschaftungskonzepts des Berliner Büros »Becker Giseke Mohren Richard« entwickelt wurde, stellt ein gutes Beispiel dar, wie angesichts der Prämissen, die sich durch eine knappe kommunale Finanzlage ergeben, ökologisch und ökonomisch tragbare Pflegekonzepte bereits in die Planung von Freiräumen konzeptionell integriert werden können.

Auch wenn in Hinblick auf eine potenzielle Übertragbarkeit den zahlreichen Restriktionen eines solchen Pflegekonzepts – insbesondere in Bezug auf Größe, Zuschnitt und Nutzer – Rechnung getragen werden muss, zeigt sich auf genereller Ebene, dass die Thematik einer »urbanen Landwirtschaft« einige Potenziale für eine zukunftsfähige und im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltige Stadtentwicklung in sich birgt. Wobei hier nicht ausschließlich kostenreduzierende Pflegekonzepte für den öffentlichen Freiraum zu nennen sind, sondern auch neue städtebauliche und sozialräumliche Qualitäten, die durch eine sinnvolle und durchdachte Integration solcher Agrarnutzungen in urbane Zusammenhänge erreicht werden können, wie das Projekt in Berlin-Adlershof beweist. Darüber hinaus stellt das Beispiel einen interessanten Praxisbeitrag zur postulierten »Hybridisierung« von Stadt und Landschaft dar. Die ökonomische und arbeitsmarktpolitische Wirkung in Hinblick auf die Schaffung selbsttragender und im Optimalfall gewinnbringender Strukturen sollte in diesem Kontext weder über- noch unterbewertet werden.

Quellen:

BGMR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN (2007):
LSG/ NSG – Ehemaliges Flugfeld Johannisthal. Pflege- und Entwicklungsplan.

FELINKS, B.; BRUX, H. (2005):
Pflege von städtischen Grünflächen durch Beweidung? In: Stadt und Grün / Das Gartenamt, Jg.54, H.11, S.54-58
Mündliche Angaben: HOLGER BRANDT: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin.

Verordnung zum Schutz der Landschaft
des ehemaligen Flugfeldes Johannisthal und über das Naturschutzgebiet ehemaliges Flugfeld Johannisthal im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin vom 4. September 2002.

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